Energieausweis

Energieeffizienzklasse A bis G: Die neue Skala für Ihren Energieausweis im Detail erklärt

Stephan Grosser - Immobilienexperte in Bremen
Stephan Grosser Immobilienexperte für Energieausweise seit 2018

Die Farbskala auf dem Energieausweis war bisher ein System, das in Europa nur Deutschland verstanden hat. Das ändert sich jetzt.

Ab Mai 2026 ersetzt eine EU-weit einheitliche Skala von A bis G das bisherige deutsche System von A+ bis H. Das klingt nach einer kleinen Anpassung. Ist es nicht. Für viele Gebäude verschiebt sich die Einstufung. Für manche dramatisch.

Ich arbeite seit 2018 als Experte für Energieausweise in Bremen und dem Umland. In den letzten Monaten häufen sich die Fragen meiner Kunden zur neuen Skala: Was bedeutet sie für mein Haus? Rutsche ich ab? Was kostet mich das am Ende?

Dieser Artikel gibt Ihnen die Antworten. Ausführlich, mit Vergleichstabellen, konkreten Beispielen aus der Region und klaren Handlungsempfehlungen.

Warum wird die Skala überhaupt umgestellt?

Die bisherige deutsche Skala von A+ bis H war ein nationaler Sonderweg. Kein anderes EU-Land hat sie so verwendet. Das machte den Vergleich zwischen einem Haus in Bremen und einem in Amsterdam oder Kopenhagen unmöglich.

Die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie (EPBD, Richtlinie 2024/1275) verlangt von allen Mitgliedstaaten eine einheitliche Bewertung. Deutschland setzt das über das Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) um, das das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG) reformiert. Wer mehr zu diesem Zusammenhang wissen will, findet die Details in meinem Artikel zur Energieausweis-Reform 2026.

Das Ziel ist klar: Ein Käufer in Hamburg soll auf den ersten Blick verstehen, ob ein Haus in Lissabon energetisch vergleichbar ist mit einem in Bremen-Schwachhausen. Die neue A-G Skala macht das möglich.

Aber sie macht auch etwas anderes: Sie sortiert den deutschen Gebäudebestand neu. Und wer vorher ein D hatte, steht mit der neuen Skala vielleicht bei E.

Die alte Skala von A+ bis H: So funktionierte sie

Das bisherige System ordnet Gebäude nach ihrem Endenergieverbrauch in neun Klassen ein. Die Schwellenwerte sind fest und absolut definiert:

KlassekWh/m² pro JahrTypisches Gebäude
A+0 — 30Passivhaus, KfW-40-Neubau
A30 — 50Moderner Neubau nach aktuellem Standard
B50 — 75Gut sanierter Altbau, Neubau mit Wärmepumpe
C75 — 100Solide sanierter Altbau
D100 — 130Teilsaniertes Gebäude
E130 — 160Altbau mit einzelnen Modernisierungen
F160 — 200Kaum sanierter Nachkriegsbau
G200 — 250Unsanierter Altbau
Hüber 250Komplett unsaniert, gravierender Sanierungsstau

Diese Skala hat viele Eigentümer in falscher Sicherheit gewiegt. Ein D klingt nach “Durchschnitt”. Ein Schüler mit einer 4 besteht ja auch. Aber ein Haus mit 120 kWh/m²a verbraucht vier Mal so viel Energie wie ein moderner Neubau. Das ist alles andere als “in Ordnung”.

Die alte Skala hatte noch ein weiteres Problem: Die Klassen A+ und A waren so ambitioniert, dass kaum ein Bestandsgebäude sie erreichen konnte. Das nahm den Druck zur Verbesserung. Wozu sanieren, wenn man ohnehin nie über D hinauskommt?

Die neue Skala von A bis G: Was sich ändert

Die neue EU-Skala komprimiert neun Klassen auf sieben und definiert die Grenzen völlig neu. Klasse A ist reserviert für Nullemissionsgebäude. Klasse G umfasst die schlechtesten 15 Prozent des nationalen Gebäudebestands.

Das ist der entscheidende Unterschied: Die neue Skala arbeitet nicht mehr mit starren, absoluten Grenzwerten. Sie ist relativ zum nationalen Gebäudebestand definiert. Die untersten 15 Prozent aller Gebäude landen automatisch in G — egal bei welchem konkreten kWh-Wert.

Die voraussichtliche Zuordnung der neuen Klassen:

Neue KlasseBeschreibungCa. kWh/m²aWas das bedeutet
ANullemissionsgebäudeunter 40Kein CO2 aus fossilen Brennstoffen, mind. 10 % unter Niedrigstenergiestandard
BHohe Effizienz40 — 75Top-sanierter Altbau mit Wärmepumpe, aktueller Neubaustandard
CGuter Standard75 — 100Solide Komplettsanierung mit moderner Heizung
DDurchschnitt100 — 130Teilsaniert, einzelne Maßnahmen umgesetzt
EUnterdurchschnittlich130 — 160Veraltete Heizung, kaum Dämmung
FGeringe Effizienz160 — 200Erheblicher Sanierungsstau, hohe Betriebskosten
GSchlechteste 15 %über 200Worst Performing Building, Sanierungsdruck durch EU

Wichtig: Die genauen kWh-Schwellenwerte für Deutschland sind Stand Februar 2026 noch nicht offiziell veröffentlicht. Die Tabelle zeigt die von Experten erwartete Zuordnung auf Basis der EPBD-Vorgaben und der Strukturdaten des deutschen Gebäudebestands.

Alte Skala vs. neue Skala: Der direkte Vergleich

Für die meisten Gebäude bedeutet die Umstellung eine Verschlechterung auf dem Papier. An der tatsächlichen Energiebilanz ändert sich nichts. Aber die Einstufung verschiebt sich:

Altes SystemNeues SystemVerschiebung
A+ (unter 30)AGleichwertig
A (30 — 50)BAbstufung um eine Klasse
B (50 — 75)B bis COft Abstufung
C (75 — 100)C bis DGrenzfälle rutschen ab
D (100 — 130)D bis EHäufig Abstufung
E (130 — 160)E bis FHäufig Abstufung
F (160 — 200)FEtwa gleichwertig
G (200 — 250)GIn der neuen “Worst 15 %“
H (über 250)GZusammengefasst

Das alte H und G verschmelzen zur neuen Klasse G. Die Komprimierung trifft aber vor allem die Mitte: Wer bisher ein gutes D hatte, landet potenziell bei E. Wer ein solides C hatte, steht vielleicht bei D.

Und genau das ist politisch gewollt. Die EU will den Sanierungsdruck erhöhen. Die neue Einstufung soll Eigentümer zum Handeln motivieren.

Eine direkte Umrechnung ist jedoch nicht möglich. Die alte Skala basiert auf absoluten Endenergie-Grenzwerten. Die neue Skala arbeitet bestandsbezogen und berücksichtigt den Primärenergieverbrauch. Es gibt keine einfache Umrechnungstabelle.

Was jede Klasse für Ihr Gebäude bedeutet

Lassen Sie mich die einzelnen Klassen im Detail durchgehen — mit konkreten Beispielen aus Bremen und dem Umland.

Klasse A: Das Nullemissionsgebäude

Klasse A nach neuem Standard ist die Champions League. Kein CO2 aus fossilen Brennstoffen am Gebäudestandort. Energiebedarf mindestens 10 Prozent unter dem Niedrigstenergiegebäude-Standard. Erneuerbare Energien decken den Restbedarf.

Wer schafft das? Praktisch nur Neubauten mit Wärmepumpe, Photovoltaik und maximaler Dämmung. Ein Altbau in Bremen wird Klasse A ohne Kernsanierung im sechsstelligen Bereich nicht erreichen. Optional ist auch eine Klasse A+ möglich (mind. 20 % unter dem A-Schwellenwert plus Eigenstromerzeugung über Eigenbedarf).

In Bremen: Vereinzelte KfW-40-Neubauten im Neubaugebiet Gartenstadt Werdersee oder in der Überseestadt erreichen diesen Standard.

Klasse B: Hohe Effizienz (40 — 75 kWh/m²a)

Das ist der neue “sehr gut”. Moderne Neubauten nach aktuellem Standard oder komplett sanierte Altbauten mit Wärmepumpe und lückenloser Dämmung landen hier.

In Bremen: Ein Bremer Haus in Schwachhausen, das komplett kernsaniert wurde — neue Fenster, Fassadendämmung, Wärmepumpe, Dachdämmung — kann Klasse B erreichen. Typischerweise kosten solche Komplettsanierungen zwischen 80.000 und 150.000 Euro.

Klasse C: Guter Standard (75 — 100 kWh/m²a)

Die realistische Zielklasse für sanierte Bestandsgebäude. Wer in Dämmung, Fenster und eine moderne Heizung investiert hat, landet hier.

In Bremen: Ein Reihenhaus Baujahr 1975 in Huchting oder Arsten, das in den letzten zehn Jahren Dach, Fenster und Heizung erneuert hat, erreicht typischerweise Klasse C.

Klasse D: Durchschnitt (100 — 130 kWh/m²a)

Klasse D ist das neue “gerade noch akzeptabel”. Teilsanierte Gebäude, bei denen einzelne Maßnahmen umgesetzt wurden, aber die Gesamtbilanz noch Lücken hat.

In Bremen: Ein Einfamilienhaus Baujahr 1985 in Ritterhude oder Achim mit neuen Fenstern und nachträglicher Dachdämmung, aber noch mit der alten Gas-Brennwertheizung von 2005.

Klasse E: Unterdurchschnittlich (130 — 160 kWh/m²a)

Hier beginnt der kritische Bereich. Die Betriebskosten sind deutlich überdurchschnittlich, und die Preisabschläge am Immobilienmarkt werden spürbar.

In Bremen: Ein typisches Bremer Reihenhaus Baujahr 1965 in Walle oder Findorff mit einzelnen Verbesserungen (z. B. neue Fenster), aber ohne Fassadendämmung und mit einer Gasheizung Baujahr 2000.

Klasse F: Geringe Effizienz (160 — 200 kWh/m²a)

Erheblicher Sanierungsstau. Die monatlichen Heizkosten belasten spürbar. Beim Verkauf sind massive Preisabschläge die Norm.

In Bremen: Ein unsaniertes Bremer Altbau-Reihenhaus in der Neustadt oder ein Mehrfamilienhaus Baujahr 1955 in Bremerhaven-Lehe mit ursprünglicher Nachtspeicherheizung und Einfachverglasung.

Klasse G: Die schlechtesten 15 Prozent (über 200 kWh/m²a)

Die neue Klasse G fasst die bisherigen Klassen G und H zusammen. Sie markiert die energetisch schlechtesten 15 Prozent des nationalen Gebäudebestands. Diese Gebäude stehen im Fokus der EU-Sanierungsstrategie.

In Bremen und Bremerhaven: Historische Gründerzeithäuser ohne jede energetische Ertüchtigung, unsanierte Nachkriegsbauten der 1950er Jahre in Bremerhaven-Geestemünde, Reihenhäuser mit originaler Einfachverglasung und ungedämmtem Dach. Auch große 70er-Jahre-Bungalows in Delmenhorst oder Osterholz-Scharmbeck mit enormen Flachdächern und alter Ölheizung landen häufig in G.

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Typische Bremer Gebäude: So werden sie eingestuft

Die Region Bremen, Bremerhaven und das niedersächsische Umland hat sehr spezifische Gebäudetypen. Über 57 Prozent der Bremer Wohnungen stammen aus den energetisch problematischen Baualtersklassen der 1950er bis 1970er Jahre. In Bremerhaven ist der Anteil an Vorkriegsbauten noch höher.

Hier die typische Einstufung nach der neuen A-G Skala:

GebäudetypBaujahrZustandNeue Klasse (ca.)kWh/m²a
Klassisches Bremer Haus, Schwachhausen1910Komplett saniert (Wärmepumpe, Dämmung, Fenster)B — C55 — 90
Klassisches Bremer Haus, Findorff1920Teilsaniert (Fenster neu, Heizung 2010)D — E110 — 150
Klassisches Bremer Haus, Neustadt1905UnsaniertF — G180 — 280
Reihenhaus Nachkriegszeit, Huchting1960Einzelne MaßnahmenE — F140 — 190
Reihenhaus, Walle1965Dach gedämmt, Rest originalE130 — 155
Bungalow mit Flachdach, Achim1975Original, ÖlheizungF — G175 — 230
EFH Siedlungsbau, Ritterhude1980Fenster und Dach erneuertD105 — 125
MFH Mietwohnungen, Bremerhaven-Lehe1955Unsaniert, Gas-EtagenheizungG210 — 270
MFH Blockbebauung, Bremen-Vahr1965TeilsaniertE — F140 — 185
Neubau EFH, Überseestadt2023KfW 40A — B30 — 50

Was fällt auf? Die Masse der Bremer Gebäude landet zwischen D und G. Das ist kein Zufall. Bremen ist eine Altbau-Stadt. Die energetische Sanierungsquote liegt deutlich unter zwei Prozent pro Jahr.

Besonders betroffen: Die großen 70er- und 80er-Jahre-Siedlungen im Umland. Als die Babyboom-Generation ihre Einfamilienhäuser in Delmenhorst, Achim, Ritterhude oder Osterholz-Scharmbeck baute, spielte Energieeffizienz keine Rolle. Diese Häuser haben große Wohnflächen, große ungedämmte Dachflächen und oft noch die originale Ölheizung. Beim anstehenden Generationenwechsel — wenn die Erben das Haus der Eltern verkaufen wollen — schlägt die neue G-Einstufung voll auf den Verkaufspreis durch.

Was die Effizienzklasse für Ihren Immobilienwert bedeutet

Die Energieeffizienzklasse ist kein abstraktes Label. Sie ist ein Preisschild. Studien von Immowelt, dem IfW Kiel und ImmoScout24 belegen erhebliche Preisunterschiede zwischen den Klassen.

KlassePreiseffekt vs. Klasse DKonkretes Beispiel Bremen
A/B+15 bis +20 % AufschlagEin EFH in Schwachhausen (Referenzwert 466.700 Euro) ist als A-Haus ca. 541.000 Euro wert
C+5 bis +10 %Gleiches Haus als C: ca. 490.000 — 513.000 Euro
DReferenzwert466.700 Euro
E-5 bis -10 %Ca. 420.000 — 443.000 Euro
F-10 bis -15 %Ca. 397.000 — 420.000 Euro
G-14 bis -20 %Ca. 373.000 — 401.000 Euro

Die Spanne zwischen Klasse A und Klasse G beträgt über 115.000 Euro. Bei identischem Haus, in identischer Straße.

Das ist keine Theorie. Banken berechnen die maximale Kreditsumme unter Berücksichtigung der laufenden Betriebskosten. Ein Haus der Klasse G hat monatlich rund 180 Euro höhere Heizkosten als ein vergleichbares Klasse-B-Haus. Das verringert die finanzierbare Kaufsumme. Der Verkäufer muss den Preis senken, damit der Käufer sich das Haus samt Heizkosten leisten kann.

Rechenbeispiel: Heizkosten Klasse B vs. Klasse G in Bremen

Nehmen wir ein typisches Bremer Reihenhaus mit 130 m² Wohnfläche:

Klasse B (60 kWh/m²a):

  • Jahresbedarf: 130 m² x 60 kWh = 7.800 kWh
  • Fernwärme (swb-Tarif 13,85 Ct/kWh): ca. 1.080 Euro/Jahr
  • Monatlich: ca. 90 Euro

Klasse G (220 kWh/m²a):

  • Jahresbedarf: 130 m² x 220 kWh = 28.600 kWh
  • Erdgas (swb-Tarif 11,28 Ct/kWh): ca. 3.226 Euro/Jahr
  • Monatlich: ca. 269 Euro

Differenz: 2.146 Euro pro Jahr, oder knapp 180 Euro pro Monat. Über zehn Jahre sind das 21.460 Euro Mehrkosten. Das ist der Betrag, den ein rationaler Käufer sofort vom Kaufpreis abzieht. Und das ist nur die Heizkostendifferenz — die erwarteten Sanierungskosten kommen noch oben drauf.

Die neue G-Klasse: Warum “Worst Performing Building” so problematisch ist

Die Klasse G nach neuem System ist nicht nur ein schlechtes Label. Sie ist ein EU-weit definierter Sanierungsfall. Die EPBD priorisiert explizit die Sanierung der “Worst Performing Buildings” (WPB) — Gebäude, die den größten Anteil an den Gesamtemissionen des Gebäudesektors haben.

Konkret bedeutet das:

  • Nichtwohngebäude: Bis 2030 müssen die schlechtesten 16 Prozent, bis 2033 die schlechtesten 26 Prozent den Mindeststandard erreichen. Das sind verbindliche EU-Vorgaben.
  • Wohngebäude: Keine Einzelgebäude-Sanierungspflicht (Deutschland hat sich dagegen gewehrt), aber nationale Ziele: 16 Prozent Primärenergiereduktion bis 2030, 20 bis 22 Prozent bis 2035.
  • Finanzierungsrisiko: Banken stufen G-Gebäude als “Stranded Assets” ein — Immobilien, die sich möglicherweise nicht mehr wirtschaftlich sanieren lassen. Die Kreditkonditionen verschlechtern sich.

Für den Bremer Markt ist das besonders relevant. Bremerhaven hat einen enorm hohen Anteil an historischen Wohngebäuden aus der Gründerzeit und an Nachkriegsbauten. Der langjährige wirtschaftliche Strukturwandel begrenzt die Kaufkraft für tiefgreifende Sanierungen. Die neue G-Klasse droht, Teile des Mietwohnungsbestandes in Stadtteilen wie Lehe oder Geestemünde auf dem Papier massiv abzuwerten.

Im niedersächsischen Umland trifft es die großen Bungalows und Einfamilienhäuser der 70er und 80er Jahre. Diese Gebäude haben riesige, ungedämmte Dachflächen und sind für heutige Verhältnisse extrem ineffizient. Beim Generationenwechsel wird die G-Einstufung zum echten Verkaufshindernis.

Ihr Energieausweis: Alt oder neu — was gilt?

Bestehende Energieausweise behalten ihre 10-Jahres-Gültigkeit. Sie müssen am Stichtag im Mai 2026 nicht sofort einen neuen Ausweis beantragen. Der GEG-Bestandsschutz bleibt erhalten.

Ein neuer Ausweis nach der A-G Skala wird erst erforderlich, wenn:

  1. Die 10-Jahres-Frist abläuft. Ein 2016 ausgestellter Ausweis ist 2026 ohnehin fällig.
  2. Sie verkaufen oder neu vermieten. Der neue Ausweis muss bei der ersten Besichtigung vorgelegt werden.
  3. Ein Mietvertrag verlängert wird. Das ist neu und betrifft insbesondere Vermieter mit großen Beständen.
  4. Eine größere Renovierung stattfindet. Mehr als 25 Prozent der Gebäudehülle werden saniert.

Aber: Auch wenn Ihr alter Ausweis formal noch gültig ist, verliert er an Marktakzeptanz. Käufer und Makler erwarten zunehmend die neue Skala. Ein Ausweis mit der alten A+ bis H Einstufung ist nicht mehr direkt vergleichbar. Es entsteht eine Zweiklassengesellschaft der Dokumentation.

Mehr zu allen Energieausweisen für Wohngebäude finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

Strategisch clever: Wann lohnt sich der neue Ausweis?

Die Übergangsphase bis 2029 bietet strategische Optionen. Je nach Situation kann proaktives oder abwartendes Handeln sinnvoller sein.

Szenario 1: Ihr Gebäude ist energetisch schlecht (Klasse F oder G)

Wenn Sie in den nächsten zwei bis drei Jahren verkaufen wollen, lohnt sich ein professioneller Bedarfsausweis durch einen Experten vor Ort. Warum? Durch unsere Best-Case-Optimierung holen wir das Maximum aus Ihrem Gebäude heraus. Jeder Punkt, den Ihr Haus auf der Skala nach oben rutscht, mindert die Verhandlungsargumente der Käufer bezüglich Sanierungsabschlägen.

Ein Sprung von G auf F kann bei einem typischen Bremer Reihenhaus einen Preisunterschied von 20.000 bis 40.000 Euro bedeuten. Die Investition in einen professionellen Energieausweis zahlt sich beim Notartermin um ein Vielfaches aus.

Szenario 2: Sie haben kürzlich saniert

Wenn Sie in den letzten Jahren in Dämmung, Fenster oder eine neue Heizung investiert haben: Lassen Sie sofort einen neuen Ausweis erstellen. Der alte Ausweis zeigt noch den Vor-Sanierungszustand. Der neue Ausweis dokumentiert den Wertzuwachs und macht Ihr “Green Premium” für Käufer und Banken sichtbar.

Szenario 3: Keine Veränderung geplant

Wenn Sie Ihr Haus bewohnen, nicht verkaufen und kein Mietvertrag ansteht, besteht kein akuter Handlungsbedarf. Der alte Ausweis gilt bis zum Ablauf seiner 10 Jahre. Aber planen Sie den Neuausweis frühzeitig ein, bevor er zeitkritisch wird.

Best-Case-Optimierung: Warum der Aussteller den Unterschied macht

Ein Online-Energieausweis für unter 100 Euro nutzt strafende Pauschalwerte und kann Ihr Gebäude um ein bis zwei Klassen schlechter einstufen als nötig. Das kostet Sie beim Verkauf zehntausende Euro.

Die Best-Case-Optimierung, wie ich sie seit 2018 in Bremen und dem Umland durchführe, ist das Gegenteil: Ich nutze alle verfügbaren bauphysikalischen Nachweise, um den bestmöglichen — und rechtssicheren — Wert für Ihr Gebäude zu erzielen.

Konkret bedeutet das:

  • Exakte Aufmaße statt pauschaler Volumen-Schätzungen. Ein mathematisch optimiertes A/V-Verhältnis verbessert die Berechnungsgrundlage erheblich.
  • Versteckte Dämmungen identifizieren. Im norddeutschen Raum rund um Bremen ist zweischaliges Mauerwerk fast flächendeckend verbreitet. Eine Hohlschicht-Prüfung kann eine vorhandene, aber nirgends dokumentierte Kerndämmung nachweisen.
  • Heizungsanlage präzise erfassen. Die exakte Bestimmung der Rohrleitungslängen, Isolierungsstärken und Speichereigenschaften — statt pauschaler Tabellenwerte — kann den berechneten Primärenergiebedarf drastisch senken.
  • U-Werte individuell berechnen. Ist der U-Wert einer Wand unbekannt, kann ich durch Materialbestimmung und Dickenmessung einen besseren Wert errechnen, statt den strafenden Pauschalwert der Software zu akzeptieren.

Ein Praxisbeispiel: Ein Einfamilienhaus Baujahr 1982 in Delmenhorst wurde online als Klasse E eingestuft. Der Eigentümer konnte die Dachdämmung nicht nachweisen, also setzte die Software einen Pauschalwert an. Vor Ort konnte ich die vorhandene Mineralwolle zwischen den Sparren vermessen, die Typenschilder der 2010 getauschten Fenster identifizieren und die Heizungsverluste exakt eingeben. Ergebnis: Klasse D. Der Unterschied beim Verkauf: fünfstellig.

Wenn Sie einen guten Wert beim Energieausweis erreichen wollen, kommt es auf diese Details an.

So verbessern Sie Ihre Effizienzklasse: Die Top 5 Maßnahmen

Nicht jede Sanierung muss ein sechsstelliges Budget verschlingen. Manche Maßnahmen kosten wenig und bringen viel:

PrioritätMaßnahmeInvestitionEinsparungAmortisation
1Dämmung der obersten Geschossdecke2.000 — 5.000 EuroHoch (Wärme steigt nach oben)4 — 8 Jahre
2Hydraulischer Abgleich + smarte Thermostate250 — 800 Euro10 — 15 % Reduktion1 — 3 Jahre
3Austausch alter Fenster (Dreifachverglasung)8.000 — 20.000 EuroDeutliche Reduktion TransmissionsverlusteMittelfristig
4Fassadendämmung (Einblasdämmung/WDVS)5.000 — 30.000 Euro20 — 25 % ReduktionLangfristig
5Heizungstausch (Wärmepumpe)15.000 — 25.000 Euro (vor Förderung)30 — 50 % Primärenergie-ReduktionLangfristig

Mein Praxis-Tipp: Die Dämmung der obersten Geschossdecke ist der unangefochtene Champion der Kosten-Nutzen-Rechnung. Warme Luft steigt physikalisch nach oben. Ein ungedämmtes Dach lässt diese Wärme entweichen. Für wenige tausend Euro können Sie den Energiekennwert Ihres Hauses spürbar verbessern — manchmal reicht das bereits für einen Klassensprung.

Besonders effektiv in der Region Bremen: Die Einblasdämmung in die Hohlschicht des zweischaligen Mauerwerks. Sie kostet einen Bruchteil eines Wärmedämmverbundsystems und ist an einem einzigen Tag erledigt. Viele Bremer Häuser haben dieses typisch norddeutsche Mauerwerk — und die Hohlschicht wartet nur darauf, gedämmt zu werden.

Der stärkste Hebel für den Energieausweis ist der Heizungstausch von Öl oder Gas auf eine Wärmepumpe. Der Primärenergiefaktor von Strom (0,4) ist massiv niedriger als der von Erdgas (1,1) oder Öl (1,1). Das drückt den Primärenergiebedarf — die entscheidende Kennzahl im neuen System — drastisch nach unten. Die BEG-Förderung übernimmt bis zu 70 Prozent der Kosten für bestimmte Einkommensgruppen.

Wer diese Maßnahmen klug kombiniert, kann ein stigmatisiertes G-Haus in ein marktfähiges D verwandeln. Das macht den Unterschied zwischen “kaum verkäuflich” und “attraktives Angebot”.

Was kommt nach 2026: Der Zeitplan bis 2035

Die neue A-G Skala ist nicht das Ende der Geschichte. Sie ist der Anfang eines langen regulatorischen Fahrplans:

DatumWas passiert
Mai 2026Neue A-G Skala tritt in Kraft, erweiterte Vorlagepflichten
31.12.2029Nationale Effizienzklassen müssen mit EU harmonisiert sein
2030Alle Neubauten müssen Nullemissionsstandard erreichen
2030Schlechteste 16 % der Nichtwohngebäude müssen saniert sein
2033Schlechteste 26 % der NWG müssen Mindeststandard erreichen
2035Wohngebäude: 20 — 22 % Primärenergiereduktion (national)
2050Klimaneutraler Gebäudebestand (EU-Ziel)

Das bedeutet: Der Druck wird nicht abnehmen. Im Gegenteil. Wer heute einen niedrigen Klasse-F- oder G-Wert hat, wird in den kommenden Jahren zunehmend Regulierung, Finanzierungsnachteile und Marktdruck spüren.

Häufig gestellte Fragen

Wird mein Haus durch die neue Skala automatisch schlechter eingestuft?

Nicht automatisch, aber in vielen Fällen ja. Die neue A-G Skala komprimiert neun Klassen auf sieben und verschärft die Anforderungen an die oberen Klassen. Ein Gebäude, das bisher als D eingestuft war, kann nach neuem System bei E landen. An der tatsächlichen Energiebilanz ändert sich dabei nichts — nur die Bewertungsskala wird strenger.

Muss ich meinen alten Energieausweis sofort erneuern?

Nein. Ein gültiger Energieausweis behält seine 10-Jahres-Gültigkeit (gemäß Paragraph 80 Abs. 1 GEG). Ein neuer Ausweis nach A-G Skala wird erst nötig, wenn der alte abläuft, Sie verkaufen, neu vermieten, einen Mietvertrag verlängern oder größer renovieren. Formal kein Handlungsbedarf, aber der alte Ausweis verliert an Marktakzeptanz.

Was bedeutet Klasse G für den Verkauf meines Hauses in Bremen?

Klasse G nach neuem Standard bedeutet, dass Ihr Gebäude zu den schlechtesten 15 Prozent des nationalen Bestands gehört. Das führt zu Preisabschlägen von 14 bis 20 Prozent gegenüber dem Durchschnitt. Bei einem typischen Bremer Reihenhaus kann das 40.000 bis 90.000 Euro weniger Verkaufserlös bedeuten. Zudem verschlechtern sich die Finanzierungskonditionen für Käufer, was den Kreis potenzieller Interessenten weiter verkleinert.

Gibt es eine Umrechnungstabelle von der alten zur neuen Skala?

Nein, und es wird auch keine geben. Die alte Skala basiert auf absoluten Endenergie-Grenzwerten, die neue auf bestandsbezogenen Primärenergie-Quantilen. Eine mathematisch exakte Umrechnung ist nicht möglich. Die Harmonisierung soll bis 31. Dezember 2029 abgeschlossen sein.

Was kostet ein Energieausweis nach neuem Standard?

Bei energiepass BREMEN kostet ein Energieausweis für ein Einfamilienhaus 299 Euro, für ein Mehrfamilienhaus 399 Euro — jeweils als Festpreis inklusive Best-Case-Optimierung und persönlicher Beratung. Online-Billigausweise sind zwar günstiger, nutzen aber strafende Pauschalwerte, die Ihr Gebäude um ein bis zwei Klassen schlechter einstufen können.

Fazit

Die Umstellung von der alten Skala (A+ bis H) auf die neue EU-Skala (A bis G) ist mehr als eine kosmetische Änderung. Sie sortiert den deutschen Gebäudebestand neu, verschärft den Sanierungsdruck und macht die Energieeffizienzklasse zum direkten Preisfaktor am Immobilienmarkt. Wer sein Gebäude kennt, die richtigen Maßnahmen ergreift und seinen Energieausweis von einem Experten vor Ort erstellen lässt, schützt seinen Immobilienwert — nicht in der Theorie, sondern in barer Münze beim Notartermin.

Hier können Sie Ihren Energieausweis direkt bestellen — Festpreis, persönliche Beratung und Best-Case-Optimierung inklusive.

Stephan Grosser - Immobilienexperte in Bremen
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