Wohngebäude

Was bedeuten die Werte in einem Energieausweis? Welche Werte sind gut?

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Was bedeuten die Werte in einem Energieausweis? Welche Werte sind gut? | energiepass BREMEN, Telefon 0421 6689 4123
Stephan Grosser - Immobilienexperte in Bremen
Stephan Grosser Immobilienexperte für Energieausweise seit 2018

Die Werte im Energieausweis sind schnell erklärt: Der Endenergiewert in kWh/m²a sagt, wie viel Energie das Gebäude pro Quadratmeter und Jahr braucht, und er allein bestimmt die Effizienzklasse. Gut ist bei Bestandsgebäuden alles unter 100 kWh/m²a, denn der deutsche Durchschnitt liegt bei rund 170. Primärenergie und CO2-Angabe liefern Zusatzinformationen, ändern an der Klasse aber nichts.

Sie halten zwei Seiten voller Zahlen in der Hand: Endenergie, Primärenergie, CO2-Emissionen, dazu ein Farbband mit Buchstaben.

Welcher dieser Werte zählt denn nun? Und ab wann ist eine Zahl gut, ab wann ein Problem?

Genau diese zwei Fragen beantworte ich Ihnen in diesem Artikel, mit den echten Klassengrenzen aus dem Gesetz, typischen Werten nach Baujahr und der Umrechnung in Euro, die im Ausweis fehlt.

Die vier Werte im Energieausweis und ihre Bedeutung

Vier Angaben tauchen in jedem aktuellen Energieausweis auf. Nur eine davon entscheidet über die Klasse.

WertWas er aussagtBedeutung für Sie
Endenergie (kWh/m²a)Energiemenge, die das Gebäude pro m² und Jahr für Heizung und Warmwasser brauchtDer wichtigste Wert: bestimmt die Klasse und Ihre Heizkosten
Primärenergie (kWh/m²a)Endenergie plus Vorkette aus Gewinnung, Umwandlung, Transport des EnergieträgersÖkologische Bewertung, relevant für Neubau-Anforderungen
CO2-Emissionen (kg/m²a)Treibhausgasausstoß des GebäudesEinordnung für CO2-Preis und Klimapolitik
Effizienzklasse (A+ bis H)Übersetzung des Endenergiewerts in einen BuchstabenDas, was Käufer und Mieter zuerst sehen

Der häufigste Irrtum betrifft die Klasse: Sie wird nach § 86 GEG allein aus dem Endenergiewert abgeleitet, gleichgültig ob er als Bedarf berechnet oder als Verbrauch gemessen wurde. Ein Haus mit Holzheizung kann also einen glänzenden Primärenergiewert haben (Faktor 0,2) und trotzdem in Klasse F stehen, wenn die Endenergie hoch ist.

Die Primärenergie entsteht aus der Endenergie mal einem Faktor je Energieträger (Anlage 4 GEG): Erdgas und Heizöl 1,1, Strom 1,8, Holz 0,2. Für Ihre Kosten ist sie unerheblich, bezahlt wird die Endenergie.

Die Klassengrenzen: so wird Ihr Wert eingeordnet

Die Skala steht in Anlage 10 des GEG und gilt für Wohngebäude einheitlich, beim Bedarfs- wie beim Verbrauchsausweis.

KlasseEndenergie (kWh/m²a)Einordnung im Bestand
A+bis 30Passivhaus-Niveau, Neubau-Spitze
Aüber 30 bis 50Effizienter Neubau
Büber 50 bis 75Neubau-Standard, top saniert
Cüber 75 bis 100Besser als der Schnitt, gut saniert
Düber 100 bis 130Solide, Teilsanierung vorhanden
Eüber 130 bis 160Leicht unter dem Durchschnitt
Füber 160 bis 200Der typische unsanierte Bestand
Güber 200 bis 250Deutlicher Sanierungsbedarf
Hüber 250Höchste Verbrauchsklasse

Zur Einordnung: Der deutsche Wohngebäudebestand liegt im Schnitt bei rund 170 kWh/m²a, also in Klasse F. “Gut” beginnt deshalb nicht erst bei A, sondern realistisch bei allem unter 100 kWh/m²a. Was speziell die mittleren Klassen bedeuten, habe ich im Artikel Was bedeutet C im Energieausweis? vertieft.

Welche Werte sind für welches Baujahr normal?

Ein Wert ist immer nur im Vergleich zur Baualtersklasse gut oder schlecht. Diese Spannen sehe ich in der Praxis und sie decken sich mit den Auswertungen von dena und Heizkostendienstleistern:

BaualtersklasseTypische Endenergie (kWh/m²a)Typische Klasse
Vor 1919 (Gründerzeit, unsaniert)180 bis 300F bis H
1949 bis 1978 (Nachkrieg, unsaniert)150 bis 250E bis G
1979 bis 1994 (1. Wärmeschutzverordnung)100 bis 160D bis E
1995 bis 200980 bis 120C bis D
Ab 201045 bis 80A bis B
Neubau nach aktuellem GEGunter 45A+ bis A

Zwei Lesehilfen dazu:

Ein 1960er-Haus mit 160 kWh/m²a ist kein schlechtes Haus. Es liegt am oberen Rand von Klasse E und damit besser als die meisten unsanierten Altersgenossen. Derselbe Wert wäre bei einem Baujahr 2015 dagegen ein Alarmsignal.

Mehrfamilienhäuser schneiden bauartbedingt besser ab als Einfamilienhäuser, weil weniger Außenfläche auf jeden Quadratmeter Wohnfläche kommt. Ein MFH mit 110 und ein EFH mit 140 kWh/m²a können energetisch gleichwertig gebaut sein.

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Was der Wert in Euro bedeutet

Die nützlichste Rechnung fehlt im Ausweis selbst: die Übersetzung in Heizkosten. Sie ist einfach: Endenergiewert mal Fläche mal Energiepreis.

Wichtig dabei: Der Kennwert bezieht sich auf die Gebäudenutzfläche, nicht auf die Wohnfläche. Ein Haus mit 120 m² Wohnfläche hat beim Regelfaktor 1,2 rund 144 m² Gebäudenutzfläche, und mit dieser Fläche wird gerechnet. Beispiel mit Gasheizung bei rund 12 Cent pro kWh (Stand 2026, inklusive CO2-Preis):

EndenergiewertJahresverbrauch (144 m² Gebäudenutzfläche)Gaskosten pro Jahr
75 kWh/m²a (Klasse B/C)10.800 kWhrund 1.300 Euro
130 kWh/m²a (Klasse D/E)18.720 kWhrund 2.250 Euro
200 kWh/m²a (Klasse F/G)28.800 kWhrund 3.460 Euro
280 kWh/m²a (Klasse H)40.320 kWhrund 4.840 Euro

Zwischen einem guten und einem schlechten Wert liegen bei einem normalen Einfamilienhaus also schnell 2.000 bis 3.500 Euro pro Jahr. Genau deshalb schlagen die Werte inzwischen auf den Kaufpreis durch: Analysen von Immowelt und JLL zeigen je nach Region Preisunterschiede von grob 20 bis 35 Prozent zwischen effizienten Häusern (A/B) und den Klassen E bis H.

Die Gebäudenutzfläche beträgt pauschal das 1,2-fache der Wohnfläche, bei Häusern mit bis zu zwei Wohnungen und beheiztem Keller sogar das 1,35-fache (§ 82 GEG). Wer den Kennwert fälschlich nur mit der Wohnfläche multipliziert, unterschätzt seine realen Kosten um 20 bis 25 Prozent. Die Details stehen im Artikel zur Gebäudenutzfläche im Energieausweis.

Bedarf oder Verbrauch: warum zwei Häuser mit gleichem Wert verschieden sein können

Derselbe Endenergiewert kann zwei sehr unterschiedliche Dinge bedeuten, je nachdem, wie er ermittelt wurde.

Der Bedarfsausweis berechnet das Gebäude: Dämmung, Fenster, Heizungstechnik, nach der Norm DIN V 18599 bei Normnutzung. Er bewertet die Substanz, unabhängig davon, wer darin wohnt.

Der Verbrauchsausweis wertet die realen Abrechnungen aus mindestens 36 zusammenhängenden Monaten aus, witterungsbereinigt. Er bildet damit auch das Verhalten der Bewohner ab.

Daraus folgen die zwei klassischen Verzerrungen:

  1. Sparsame Bewohner schönen den Wert. Ein ungedämmtes Haus, in dem ein Einzelner nur zwei Zimmer heizt, bekommt einen besseren Verbrauchswert, als die Substanz verdient.
  2. Leerstand drückt den Wert zusätzlich. Standen Wohnungen im Abrechnungszeitraum leer, sieht das Gebäude auf dem Papier effizienter aus, als es ist.

Beim Kauf gilt deshalb: erst auf den Ausweistyp schauen, dann auf die Zahl. Welcher Typ wann sinnvoll und zulässig ist, erkläre ich im Vergleich Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis.

Was ändert sich an den Werten durch das GModG?

Das am 10. Juli 2026 beschlossene Gebäudemodernisierungsgesetz lässt bestehende Ausweise unangetastet, verschiebt aber die Rechenbasis für neue.

Die wichtigsten Punkte:

  • Ihr aktueller Ausweis bleibt gültig, die zehn Jahre nach § 79 Abs. 3 GEG laufen normal weiter.
  • Die Skala A+ bis H bleibt für Wohngebäude bestehen. Die neue A-G-Skala betrifft nur Nichtwohngebäude.
  • Neue Primärenergiefaktoren ab voraussichtlich Anfang 2027: Strom sinkt von 1,8 auf 1,5, Biomasse steigt von 0,2 auf 0,7. Wärmepumpenhäuser stehen damit besser da, Holzheizungen schlechter.
  • Neue Berechnungsnorm (DIN/TS 18599, Ausgabe 2025) für neu ausgestellte Ausweise: Dasselbe Haus kann bei einer Neuausstellung eine leicht andere Klasse bekommen.

Wer einen Verkauf plant, hat damit ein sachliches Argument, den Ausweis noch nach aktuellem Recht erstellen zu lassen: Die Werte sind dann bis zu zehn Jahre festgeschrieben. Alle Änderungen im Detail stehen im Artikel GModG beschlossen: was sich beim Energieausweis ändert.

So verbessern Sie schlechte Werte

Die Werte im Ausweis sind kein Urteil, sondern eine Momentaufnahme. Nach einer Sanierung dokumentiert ein neuer Ausweis den besseren Zustand.

Die Reihenfolge mit dem besten Verhältnis aus Kosten und Wirkung ist fast immer dieselbe:

  1. Dämmung der obersten Geschossdecke: vergleichsweise günstig, spürbarer Effekt auf den Bedarfswert.
  2. Heizungstausch: Der Sprung von einem alten Kessel auf eine Wärmepumpe senkt die Endenergie drastisch, weil die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom ein Mehrfaches an Wärme macht.
  3. Fenster und Fassade: teurer, aber entscheidend für die großen Klassensprünge bei Altbauten.

Wichtig für den Verkauf: Ein bestehender Ausweis wird nach einer Sanierung nicht automatisch aktualisiert. Erst ein neu ausgestellter Ausweis macht die Verbesserung sichtbar, und erst dann dürfen Sie mit der besseren Klasse werben.

Alle Grundlagen finden Sie auf meiner Übersichtsseite Energieausweise für Wohngebäude, die Lesehilfe fürs ganze Dokument im Artikel Wie lese ich einen Energieausweis?

Ich erstelle Energieausweise seit 2018 mit Best-Case-Optimierung: Alle rechtlich zulässigen Spielräume bei Flächenansatz, Anlagentechnik und Datenlage werden zu Ihren Gunsten ausgeschöpft, damit der Ausweis das Gebäude so gut zeigt, wie es wirklich ist. Die Daten nehme ich telefonisch und per Foto auf.

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Stephan Grosser - Immobilienexperte in Bremen
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„Vielen Dank für die schnelle Zusendung des Energieausweises sowie den Hinweis bezüglich technischer Rückfragen.“

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Elyes Ben Brahim Longhi Immo/Consult Hannover
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